Warum Vorlesen?

Mit dem Österreichischen Vorlesetag soll ein spürbarer Impuls für mehr Literatur im Alltag gegeben werden. Lesen ist der Grundpfeiler von Bildung und damit wohl unsere wichtigste Kulturtechnik. Twitter, Facebook und Co. reduzieren unsere Lesegewohnheiten – und damit auch die Möglichkeiten des Ausdrucks – heute leider auf ein Minimum. Stellen Sie sich beispielsweise die Liebesgeschichte von Romeo und Julia einmal auf Twitter vor:

Romeo steht auf Julia und sie auf ihn. Familien hassen sich, deshalb dürfen sie nicht miteinander eh schon wissen. Tun es trotzdem und bringen sich um.

Das wäre so wohl nie zu Weltliteratur geworden. Und zum Vorlesen ist dieser Text auch nicht wirklich geeignet.

© iStock by Getty Images

Dabei ist gerade das Vorlesen so wichtig. Mittlerweile beschäftigen sich viele Studien mit dem Thema Vorlesen und sie alle kommen zum gleichen Schluss: Vorlesen ist eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Grundlage, um das Lesen und Schreiben bei Kindern zu fördern. Kinder, denen vorgelesen wird, sind nicht nur aufnahmefähiger und konzentrierter, sie haben später auch einen signifikanten Vorteil bei der Sprachentwicklung und bei den kognitiven Fähigkeiten. Und das gilt für alle Kinder – unabhängig von Herkunft, Bildungsgrad oder Status der Eltern. Vorlesen ermöglicht also einen echten Startvorteil!

© iStock by Getty Images

Darüber hinaus bauen „Vorlese-Kinder“ meistens eine innige Beziehung zu ihren Vorlesern auf und das erleichtert wiederum die Erziehungsarbeit. Dabei ist interessant zu beobachten, dass nach wie vor häufig die Mütter die Vorleserinnen in der Familie sind, Väter übernehmen diese Aufgabe aber zunehmend öfter. Vorlesen unterstützt also den familiären Zusammenhalt!

Doch Vorlesen macht nicht nur Kindern Spaß. Auch Erwachsene hören gerne zu und lassen sich in eine andere Welt entführen, wenn ihnen vorgelesen wird. Es weckt nicht nur Erinnerungen an vergangene Kindheitstage, es sorgt auch für eine deutliche Entspannung. Der Erfolg von Podcasts und Hörbüchern spricht hier eine deutliche Sprache. Lassen Sie uns also gemeinsam mehr vorlesen!